Freitag, August 04, 2006

Der Spiegel berichtet über das Web 2.0

Titelbild Der Spiegel. Nr 2006/29, 17.07.2006: Ich im Internet. Wie sich die Menscheit online entblößtVor zwei Wochen hatte der Spiegel mit einer Titelgeschichte zum Web 2.0 aufgemacht und über Blogs, Wikipedia, Flickr, YouTube, MySpace und anderes Unheimliche berichtet. Im gewohnt cool-alarmistischen Spiegelsound werden "Folgen für die politische und gesellschaftliche Entwicklung" befürchtet und ein Bedrohungsszenario für "die klassischen Medien" beschworen. Als Sekundant holt sich der Spiegel den notorischen Medienphilosophen Norbert Bolz, der prompt mit starken Sprüchen dienlich ist: Wikipedia sei "Doxa fürs Volk" (Doxa = "reines Meinungswissen") und ältere Spiegelsemester greifen beruhigt zu ihren Opiaten. Bolz spricht, in Anspielung auf Nikolaus von Kues (und das ist alles andere als ein blöder Gedanke), von Mitwirkenden an Wikipedia weiter als "idiotae" - den "Eigensinnige[n], die selbst was wissen und sich von den Gelehrten nichts mehr sagen lassen". Der Spiegel versteht "Idioten" und fragt: "Sie wollen Milliarden Surfer als Idioten abstempeln?".

Jetzt hat Spiegel Online im Nachschlag zu der Titelgeschichte herausgefunden, wer das Web 2.0 trägt: "Wer viel Zeit hat, weil er zum Beispiel arbeitslos ist, oder sehr reich, Schüler oder ein nicht allzu eiliger Student, der kann auch viel zur Unterhaltung Anderer tun. Bloggen zum Beispiel." Auch generell "Menschen mit viel Zeit (oder wenig Privatleben)" sind verdächtig, in Besonderheit aber "arbeitslose Softwareentwickler".