Montag, Juli 31, 2006

User generated videos

Auf halbem Wege zwischen YouTube-Hype und einem sich entwickelnden Sektor des privaten Vodcasting, nimmt die Tendenz etablierter Medienanbieter zu, user generated content auch in Form von privaten Videos in das journalistische Angebot zu integrieren. Diese Integration ist dabei in mehrfacher Hinsicht von strategischem Interesse für die klassischen Anbieter. Zum einen ist die Einbindung von home made videos geeignet, die Kundenanbindung der Prosumer zu verstärken (was sich letztlich auch auf den reinen Consumer auswirkt, dem die Distanz zum Medienanbieter verringert erscheint, wenn ihm bei xyz.com Nachbars Video begegnet). Zum anderen ist die Integration Mittel, den Graben zwischen professioneller Publizistik und einer etwaigen privatpublizistischen Gegenöffentlichkeit (meist eher in Form einer Nebenöffentlichkeit oder veröffentlichten Privatheit) zu überschreiten, um einer Ausdifferenzierung hin zu parallelen Medienwelten entgegen zu wirken. Ein Mitnahmeeffekt ist der vereinfachte (und wahrscheinlich kostengünstigere Zugang) zum Zufallsvideo vom BreakingNews-Event - bei jedem zweiten Flugzeugabsturz scheint heutzutage zumindest ein Camcorder mit zu laufen.

Zwei Beispiele von heute. Steve Rubel berichtet in Micro Persuasion vom Launch der Video Community von WeatherBug, einem amerikanischen Wetterdienst, der nunmehr in einer Betaversion eine Sharing-Plattform für private Wettervideos anbietet. Und heise.de meldet, dass CNN mit CNN Exchange Nutzern eine vereinfachte Möglichkeit gibt, Fotos, Videos und Audios einzusenden (sogenannte "I-Reports"), die dann einer journalistischen Verarbeitung zugeführt werden.

Damit sind auch zwei Möglichkeiten der Anbindung des user generated content an das Angebot des klassischen Medienanbieters umrissen. Einerseits die Sharing-Plattform, die sich zwar am thematischen Portfolio des Anbieters orientiert, aber vom professionellen Teil zunächst gesondert ist - und andererseits die weiter gehende Integration des Materials in das publizistische Angebot, als Rohmaterial der journalistischen Aufbereitung oder in direkter Anbindung an den redaktionellen Inhalt.

Update [07.08.2006]: Heute meldet heise.de, dass auch RTL den weiteren Ausbau seiner Sharing-Plattform clipfish.de plant. Clipfisch ist seit Mitte Juni online.