Freitag, Juli 28, 2006

Podcasting,soziologisch

Im Rahmen von kommunikation@gesellschaft hat Dennis Mocigemba von der Universität Bremen dankenswerter Weise seine "qualitativ-explorative Studie" zu Beweggründen, Ambitionen und Ansprüchen von Podcastern, Eine Typologie von Sendemodi im Podcasting [pdf, 120 KB], online gestellt.

Auf Basis von 19 Interviews mit Podcastern extrapoliert Mocigemba sechs Idealtypen von Menschen, die Podcasting aktiv betreiben:

Der Explorer
betreibe Podcasting, um die technischen Möglichkeiten des Mediums zu erkunden. Der eher technisch-spielerische Ansatz dieses Typus gehe mit reduzierten Qualitätsansprüchen gegenüber dem eigenen Produkt einher. Diesem Typus, der vor allem in der Frühphase dieser Technologie eine tragende Rolle als early adopter spiele, sei die Interaktion mit anderen Podcastern wichtiger als die Interaktion mit den Konsumenten [S. 11-14]
Der Personality Prototyper
gehe mit seinem Podcast online, um sich "selbst darzustellen und verschiedene Formen der Selbstdarstellung zu erproben" [S. 14] und verstehe Podcasting "vorrangig als Bühne für die eigene Person" [S. 15]. Technische Qualitätsanforderungen seien diesem Typ zwar wichtig, aber der Persönlichkeit des Senders werde der Vorrang gegenüber dem thematischen Aspekten des Sendens eingeräumt [S. 15-17]. Die Interaktion mit den Hörern sei für den Personality Prototyper von besonderer Wichtigkeit, der Kontakt zu anderen Podcastern dagegen weniger [S. 17].
Der Journalist & ThemenCaster
sei "geprägt von einer sehr starken Orientierung an den Bedürfnissen seiner Hörer" und versuche "mit seiner Sendung Wirkung zu erzielen in Form von Wissensvermittlung, Hilfestellung und [...] Unterhaltung" [S. 18]. Die technische Qualität spiele für diesen Typus keine herausragende Rolle, die Beziehung zu seinen Hörern und die Vernetzung mit anderen Podcastern aber sehr wohl - letzteres begründet Mocigemba mit dem Interesse an kommerzieller Nutzung dieser Technologie[S. 19].
Der Rebell
sehe sein Handeln "als Protest gegen die etablierten Medien" [S. 20]. Der Anspruch eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen, präge auch die Bedeutung, die dieser Typus der Interaktion mit Hörern und anderen Podcastern zumesse [S. 21].
Der Socal Capitalist
sende vornehmlich, "um soziale Interaktion zu initiieren": "Er betreibt Podcasting als Mittel, gezielt oder ungezielt Sozialkapital [...] zu akkumulieren" [S.22]. Dabei interessiere diesen Typus weniger die Praxis des Sendens oder "technische und formale Aspekte", wichtig seien ihm die persönlichen Erfahrungen, Kontakte und Freundschaften zu Hörern und anderen Podcastern [S. 23]
Den Social Gambler
habe ich nicht so ganz verstanden, aber er scheint ein Sozialer Kapitalist zu sein, den das Experiment und das Spiel mit den Hörern mehr lockt, als dauerhaftes Sozialkapital
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